Dichter in dunkler Zeit – Paul Gerhardt (1607–1676)
Biografie im Schatten des Krieges
Paul Gerhardt wurde 1607 in Gräfenhainichen geboren und wirkte in einer Zeit, die von den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) und Pestepidemien geprägt war. Trotz persönlicher Tragödien – er verlor früh seine Eltern und später vier seiner fünf Kinder – schuf er ein Werk von unvergleichlicher Zuversicht. Sein 350. Todestag im Jahr 2026 ist Anlass, diesen „Theologen des Herzens“ neu zu entdecken.
Warum seine Texte uns noch heute berühren
Gerhardts Lieder sind keine reine Dogmatik, sondern „Poesie des Trostes“. Er verstand es, theologische Inhalte in eine bildreiche, emotionale Sprache zu übersetzen, die den einzelnen Menschen direkt anspricht. Lieder wie „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ oder „Befiehl du deine Wege“ sind tief im kulturellen Gedächtnis verankert. In unserem Projekt fragen wir: Wie spiegeln diese Texte seine Lebenswirklichkeit wider? Und wie können sie nach den Erfahrungen moderner Krisen wieder als Ausdruck „tiefer, innerer Religiosität“ verstanden werden?.
Gerhardt und die Musik
Schon zu Lebzeiten waren seine Texte eng mit Musik verbunden. Durch die Zusammenarbeit mit den Berliner Kantoren Johann Crüger und später Johann Georg Ebeling fanden seine Lieder schnelle Verbreitung. Später setzte ihm Johann Sebastian Bach in seinen Passionen und dem Weihnachtsoratorium („Ich steh an deiner Krippen hier“) ein musikalisches Denkmal.